Truckracing - was macht die Faszination aus?
Ist es die schiere Größe der Rennfahrzeuge, die enorme Kraft ihrer Motoren, der Motorsound, die Nähe zu den Fans oder sind es die spektakulären Überholmanöver, die tollkühnen Piloten, die kreativen Mechaniker welche diese Faszination auslösen?
Es ist die Kombination aus all dem zuvor genannten, was Truckracing von anderen Motorsportserien unterscheidet und so einzigartig macht.

Wie die Brummis rennen lernten
Brummi-Rennen auf den Autobahnen dieser Welt ärgern viele Autofahrer . Auf Grund der gesetzlich geregelten Geschwindigkeitsbegrenzung ziehen sich die Überholvorgänge nicht selten über etliche Kilometer hin. Auch auf den Rennstrecken können sich Überholvorgänge über einige Runden (Kilometer) erstrecken - mit doppelt so hohem Speedlimit und zur Freude der vielen Fans. Ärgern tut sich
darüber meist nur einer - der Überholte.
Kann der Trucker beim Überschreiten der Geschwindigkeitslimits noch auf einen gnädigen Beamten hoffen, schlagen die Sportkommissare bei den Truckracern erbarmungslos zu.
Rennen mit "Sattelzugmaschinen" gibt es seit den späten 70ern. Erfunden wurde
der Laster-Sport in dem Land der dicken Trucks - den USA. Während er dort fast vollständig von der Bildfläche verschwunden ist, gibt es in Europa , Australien und Brasilien seit vielen Jahren landesweit / europaweit organisierte Truck-Rennserien. Obwohl in Europa die FIA mitmischt und damit die Truck-Europameisterschaft adelt, haben die tonnenschweren Renner in Brasilien den professionellsten Auftritt. Manch Truckracer träumt dann auch schon einmal von einer Truck-Weltmeisterschaft. Doch noch sind die Konzepte zu verschieden, um eine gemeinsame Serie auf die Beine zu stellen.
Die 1985 erstmals ausgetragene Truck-Europameisterschaft (heute FIA European Truck Racing Championship) hat in ihren mehr als 25 Jahren Höhen und Tiefen durchlebt. Selbst der Rückzug großer Truckschmieden und Zulieferer konnte das Engagement der Protagonisten niemals ernsthaft gefährden. So konnte auch der Ausstieg von Mercedes-Benz zum Ende
der Saison 2007 die Serie selbst nicht in Gefahr bringen. Auch das Fehlen einer professionellen Serienvermarktung sowie einer regelmäßigen TV-Präsenz, wie es einige Jahre der Fall war, ist ärgerlich und schmerzt, bringt die Boliden aber nicht zum Stillstand.
Bei kaum einer anderen Rennserie haben die Fans einen so engen Kontakt zu
ihren Fahrern. Zudem bieten einige Veranstalter ein riesiges Rahmenprogramm zu familienfreundlichen Preisen. Der alljährliche Truck-Grand-Prix am Nürburgring stellt nicht nur für die Truckracer den Saisonhöhepunkt dar, er ist zugleich auch das größte Countryfestival Europas und die zweitgrößte Nutzfahrzeugmesse. Jährlich zieht bis zu 200.000 Besucher in die Eifel. Truckracing ist nach den Formel 1- Rennen der größte Besuchermagnet - und das fast europaweit!
Dennoch gibt es auch nach über 25 Jahren noch Ressentiments hinsichtlich der Ernsthaftigkeit dieser Motorsportserie. Immer noch betrachten vermeintlich "echte" Motorsportler die Truckserie herablassend. Dabei haben die Renntrucks von heute mit den ersten Renn-LKW kaum noch etwas gemein. Früher waren die
Rennstrecken von schwarzen Rußwolken eingenebelt und die Renntrucks drifteten spektakulär quitschend über die Pisten. Viel hatten sie mit einem professionellen Rennwagen tatsächlich nicht gemein. Schwarzrauch ist heute streng verboten und wird rigoros geandet. Viele Renntrucks der Neuzeit verfügen über Rußfilter und dienen so auch als Versuchsträger für die Serie. Dank stetiger Weiterentwicklung der Fahrwerke ziehen die schnellen Trucks wie auf Schienen ihre Rennrunden. Wassergekühlte Scheibenbremsen sorgen für ungeahnte Verzögerungswerte. Wer einmal in einem Renntruck mitfahren konnte, versteht, dass es sich hierbei um
einen Rennwagen im XXL-Format handelt. Nicht wenige Fahrerplätze sind in festen Händen von Profirennfahrern. Auch die Rennlegende Hans-Joachim (Strietzel) Stuck oder Prinz Leopold von Bayern freuen sich über die gelegentlichen Auftritte in einem Renntruck.
Moderne europäische Renntrucks holen aus ihren Dieselmotoren bis zu 1100 PS. Trotz der rund 5,5 Tonnen Kampfgewicht beschleunigen die Trucks in 6 Sek. von 30 auf 160 km/h - da Truckrennen nicht stehend gestartet werden, ist die Angabe von 0-100 km/h ohne große Bedeutung. Die Schaltgetriebe müssen dabei bis zu 5500 Nm Drehmoment verarbeiten. Bei 160 km/h ist Schluss! Da kennen die Rennkommissare kein Pardon. Mittels GPS wird bei der Europameisterschaft das Limit genauestens überwacht. Die Rennen werden also nicht selten auf der Bremse gewonnen -Lackaustausch inbegriffen. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Rennserie gehört ein gepflegter Direktkontakt zum sportlichen Umgangston. Schließlich halten die XXL-Renner auch entspechend viel aus. Doch wer es
übertreibt und dabei erwischt wird, bekommt es mit den Sportkommissaren zu tun. Halt wie im echten Truckerleben auch - nur dort heißen die Regelhüter Polizeikommissare.
WS
